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BIOGRAFIE
Rupert Eder
Geboren 1968 in Bad Aibling.

Lebt und arbeitet in Dießen am Ammersee.
1991-95 Philosophische Hochschule der Jesuiten, München (M.A.)


Einzelausstellungen

2017 Hommage an den Raum, Museum Neues Schloss Kißlegg, Stiftung Rudolf Wachter
2017 ZOOM, Galerie Claudia Weil, Friedberg
2016 IMAGO, Galerie Nanna Preußners, Hamburg
2016 SILENT WATCHER, Dirk Halverscheid Galerie, München
2014 ROTOR, Katholische Akademie in Bayern, München
2014 A PAINTING IS A PAINTING IS A ROSE, Galerie Nanna Preußners, Hamburg
(Kat.)
2012 Voyager, Galerie König, Hanau/Frankfurt
2011 FLIP FLOP, Galerie Nanna Preußners, Hamburg
2010 BLICKWECHSEL, Galerie Julia Garnatz, Köln (Kat.) (mit Nikola Irmer)
2009 Galerie Ulf Larsson, Kunstkontor, Köln
Galerie MultiArt International, Bonn
BLACK BOOK, Galerie Nanna Preußners, Hamburg
2008 Neue Galerie Landshut (mit Jon Groom)
Galerie König, Hanau/Frankfurt (Kat.)
2004 THE ROTOR WORKS, Galerie Florian Trampler, München (Kat.)
2002 ADOBE, Akademiker Centrum, München
DIE NISCHE DER LICHTER, Kloster Andechs

Gruppenausstellungen

2016 ReStructured, The Exchange, Penzance, Cornwall
2016 The pattern reveals itself, Galerie Claudia Weil, Friedberg
2015 FRAMED, Holland Tunnel Gallery Williamsburg, Brooklyn, New York
2014 Galerie König, Hanau/Frankfurt
2014 PAINTING BLACK, Po Kim Foundation, Manhattan, New York
2013 BEST OF, Galerie Nanna Preußners, Hamburg
2012 Papier, Galerie Julia Garnatz, Köln
2011 ABOUT PAINTING, Po Kim Foundation, Manhattan, New York; Review Brooklyn Rail
2010 ARBEITEN AUF PAPIER - WORKS ON PAPER, Galerie Nanna Preußners, Hamburg
2009 DELFT BLUES, Holland Tunnel Gallery Williamsburg, Brooklyn, New York
2008 THE ESSENCE OF THE MOMENT, Kulturforum in Herz Jesu, Köln (Kat.)
Galerie Ulf Larsson, Köln
UNO SPAZIO SU MISURA, Marina Wolff, Mailand
2007 VERKOPFT, Galerie Nanna Preußners, Berlin
WATERCOLOURS, Galerie König, Hanau/Frankfurt
2000 Jahresausstellung Städtische Galerie Rosenheim
1999 DIE SCHACHTEL Nr. 3, Multiple, München
1998 Open Ateliers, Boschhof
1996 Open Art, Praterinsel, München


Öffentliche und private Sammlungen, Förderungen

Bayerische Staatsgemäldesammlungen, München
Bayerische Staatsregierung, München
Allianz Kulturstiftung, München
LfA Förderbank Bayern, München
DELO Industrie Klebstoffe GmbH & Co. KG, Landsberg
RIGGTEK GmbH Laboratory Instruments, München
ING-DiBa, Frankfurt
Deutsche Factoring Bank, Bremen
Stern-Wywiol Gruppe, Hamburg
Sammlung Dr. Guido Schlimbach, Köln
Po Kim Foundation, Manhattan, New York



Betrachtungen zu Rupert Eders Werk

In einer Zeit, in der die Kunst mit narrativen und illustrativen Bildern und neuen Medien überflutet wird, schließt Rupert Eder mit seinen Arbeiten an die Tradition der gegenstandsfreien Malerei der Moderne an - einer Kunstform, die sich auf das Wesentliche konzentriert.
Der Blick auf sein Werk aus den letzten 15 Jahren zeigt Leinwandbilder, Arbeiten auf Papier und auf Kalkstein. Einige der Arbeiten sind sehr malerisch aufgefasst, andere eher zeichnerisch. Viele Bilder variieren stark in ihrer Farbigkeit, andere sind fast monochrom. Gemeinsam ist allen Werken, dass sie losgelöst sind von der gegenständlichen, wirklichkeitsbezogenen Darstellung. Vielmehr handelt es sich um eine malerische Präsenz, in der sich Formen und Farben zeigen und zu Bildern generieren. In seiner künstlerischen Entwicklung setzt sich Eder in einer beständigen, ausdauernden Arbeit mit den Bedingungen und Möglichkeiten der Malerei auseinander und entwickelt dabei eine unverkennbare, eigene Bildsprache von Farbe, Form und Komposition.
Die Werke lassen sich in lose Gruppen unterteilen, bei denen die malerischen Erfahrungen miteinander verschmelzen und sich in der weiteren Entwicklung zu neuen Bildfindungen verselbständigen.
In seiner frühen 360°-Serie hat Eder begonnen, Kreis, Quadrat und Rechteck zu verbinden, ohne dass die Form tatsächlich vorkam. Sie hat sich ausschließlich in der Bewegung der vier rotorenartig verlaufenden Farbbalken gezeigt und durch die Überlagerung der breiten Pinselstriche gefunden. Dieses Prinzip greift der Künstler in seinen neuen SOLO ROTOREN wieder auf.
Im weiteren Entwicklungsprozess ist er dazu übergegangen, die TOMBE, eine wabenartige Struktur, die der Künstler in Italien in einem etruskischen Felsengrab entdeckt hat, als Bildsprache zu formulieren. Die beiden malerischen Erfahrungen haben sich verschmolzen, indem Eder begann, die Struktur der 360°-Bilder neben- und untereinander wabenähnlich auf einer Leinwand anzuordnen. Diese Bildneufindung hat sich zu den ersten ROTOR-Arbeiten verselbständigt. Mit dem spürbaren Gestus der Pinselführung baut Eder aus jeweils vier Farbbalken rechtwinklige Binnenformen auf, deren Mitte ausgespart wird. Diese breiten Farbfelder fügen sich häufig aus mehreren nebeneinander gesetzten Pinselstrichen zusammen, die sich an den Eckpunkten überlagern und dort zu neuen Farbmischungen und -wirkungen führen. Die Farben nehmen raumgreifende Ausmaße an, indem sie in ihre Umgebung ausstrahlen und als Farbenergie wahrnehmbar werden. Innerhalb eines Rotors gibt es ein gewisses, rein malerisches System in der Wahl der Farben, das der Künstler intuitiv im Malprozess entscheidet, je nachdem, wie er das Bild gewichten will. Vor allem aber wird in diesen Arbeiten die sich schier endlos fortsetzende Farbbewegung betont.
Im formalen Aufbau des Geflechts entstehen nicht-hierarchische Strukturen - Bilder ohne Fluchtpunkt oder Zentrum - indem sich die Elemente kreuzen und überschneiden, Querverbindungen schaffen und sich unendlich fortzusetzen scheinen. Durch ihre Anschnitte am Bildrand rufen die Werke beim Betrachten das Gefühl hervor, als seien sie lediglich ein Ausschnitt, ein Detail aus einem größeren Ganzen, das sich allerdings nicht offenbart. Diese dezentralisierte Bildorganisation wird auch in den neueren CUT UP-Arbeiten weitergeführt.
CUT UP bezeichnet die Technik, die vor allem in der Literatur Anwendung fand (beispielsweise im Dadaismus und bei William S. Borroughs): Texte wurden wortwörtlich zerschnitten und auf eine andere Weise wieder zusammengefügt, oder, wie beim FOLD IN, jeweils in der Mitte gefaltet und parallel nebeneinander gelegt, so dass auf spielerische Weise neue Kontexte und Sinnstrukturen geschaffen wurden. Bei Eder handelt es sich nicht um eine Schnitttechnik, aber er verwendet diese Methode im übertragenen Sinne. Der Künstler nimmt zwei Leinwände oder Aquarellpapiere und verschiebt sie gegeneinander, bevor er den Pinsel ansetzt. Dabei wird die ursprüngliche Form auseinander gerissen und neu zusammengesetzt und gleicht so dem Prinzip des literarischen CUT UP. Es entsteht ein neues malerisches Bild, bei dem sich die Teile zu einem stimmigen Ganzen fügen. An manchen Randstellen der mehrteiligen Bilder treffen die Formen wieder zusammen, an anderen Stellen dagegen nicht. Daraus entstehen aus einer Grundform und ihren Variationen neue malerische Sinnstrukturen. Frühe Formen wie die TOMBE tauchen auch in diesen jüngeren Arbeiten wieder auf, aber verselbständigen sich zu einer eigenen, neuen Bildsprache. Mit seinen großformatigen Aquarellen (200 x 230 cm) gelingt es dem Künstler etwas Massives zu schaffen mit einem Material, das alles andere als massiv ist, nämlich Papier und Wasserfarbe.
Auf diese CUT UP-Technik ist Eder über das Arbeiten mit Kalksteinplatten als Bildträger gekommen. Hierbei hat der Künstler, im Gegensatz zur geschlossenen Leinwand, zwei unterschiedlich hohe Steinplatten als Bildgrund verwendet. Während des Malprozesses ergaben die gebrochenen und verschobenen Formen eine ganz eigene Bildstruktur aus dem vielfältigen Zusammenspiel reduzierter Gestaltungsmöglichkeiten.
Die zwei-, drei- oder auch vierteiligen CUT UP-Arbeiten, bei denen die einzelnen Leinwände durch einen Spalt voneinander getrennt sind, entsprechen nicht der konventionellen Seh- und Bildlogik, sie folgen keiner bekannten Grammatik, sondern gewähren dem Betrachtenden Raum für eine eigene Imagination. Hier entsteht etwas Neues im Zerreißen der Form, dessen Wirkung durch den Leerraum zwischen den Leinwänden noch intensiviert wird. Dieser Abstand, der die Bildträger voneinander trennt, zugleich aber auch ihre Verbindung schafft, steigert die Spannung, die an den Bruchrändern entsteht. Das menschliche Auge versucht diese Lücke zu schließen und die ursprüngliche Form wieder herzustellen. Das Erlebnis dieser Bilder wird nicht nur von dem bestimmt, wie die einzelnen Formen auf den Leinwänden zueinander stehen, sondern zusätzlich von dem, was an Ausdruckswert in dem Leerraum entsteht. Darin offenbart sich auch die Haltung des Künstlers, den Betrachter aktiv an der Erfassung des Werks teilhaben zu lassen.
Eine Serie neuer mehrteiliger CUT UP-Leinwandarbeiten trägt den Titel VANISHING POINT, dem englischen Begriff aus der Perspektive, der im Deutschen mit Fluchtpunkt übersetzt wird. Die perspektivische Darstellung, wie sie von der westlichen Kunst seit der Renaissance gefordert wurde, soll ein zum Gesehenen analoges Bild ergeben. In der westlichen Bildtheorie, die den menschlichen Blick zum Angelpunkt der Wahrnehmung macht, führt die Perspektive den Blick des Betrachtenden auf den Fluchtpunkt, der eine illusionistische Raumtiefe bewirkt. Das englische Wort to vanish bedeutet verschwinden, sich verlieren, und bezeichnet, was bereits in Eders komplexeren ROTOR-Bildern vorhanden ist und sich in den CUT UP-Arbeiten fortsetzt: die Dezentralisierung des Bildes. Durch den Verzicht der konstruierten Form der perspektivischen Darstellung wird bei Eder der Standpunkt entzogen, aufgelöst, von dem aus sich der Betrachter im Bild verorten könnte.

Wie der Überblick über sein bisheriges Schaffen zeigt, hat Eder sein bildnerisches Vokabular bereits in seinen frühen Arbeiten klar formuliert und setzt dieses in seiner weiteren Entwicklung konsequent fort. Deutlich zeigt sich seine künstlerische Position, bei der die Bildidee und die Bildfindung im Vordergrund stehen und in eine gegenstandsfreie Malerei münden. Der Künstler führt den Betrachter direkt in die Welt der Phänomene, ins Reich der reinen Erscheinungen. Die Arbeiten laden zum aufmerksamen Betrachten ein, der langsame Blick entdeckt die ästhetische Schönheit und die Unmittelbarkeit des Erlebens. Die Bilder bergen eine emotionale Qualität in sich, zeugen von einer positiven Kraft und einer Energie, die sich im Raum ausbreitet und für den Menschen zum physischen Erlebnis wird, indem im Betrachtenden eine verstärkte emotionale Reaktion ausgelöst wird, so wie sie auch durch Musik oder Literatur hervorgerufen werden kann. (Nanna Preußners, 2008)

Was ich hier mache, ist reines Tun, reines Handeln, und daraus entstehen die Bilder, ohne einen theoretischen Überbau, ohne eine Vorlage aus der Wirklichkeit, es ist ein reines Arbeiten und Vorankommen mit der Malerei. Und das ist schon sehr spannend. Man kann meine Werke eben auch ausschließlich phänomenologisch betrachten: Was ist da? Was sehen wir? (Rupert Eder)